Microsoft 365 verteuert sich deutlich: KI-Funktionen sorgen für Kritik bei Excel-Nutzern
Microsoft reagiert auf anhaltende Beschwerden von Excel-Anwendern und passt gleichzeitig seine Strategie rund um Künstliche Intelligenz in Microsoft 365 weiter an. Während neue Copilot-Funktionen den Arbeitsalltag effizienter machen sollen, sorgen steigende Preise und Eingriffe in bewährte Arbeitsabläufe zunehmend für Diskussionen – auch in deutschen Unternehmen.
Microsoft entschärft umstrittenen KI-Button in Excel
Nach monatelanger Kritik aus der Community hat Microsoft den sogenannten „Dynamic Action Button“ (DAB) überarbeitet. Das schwebende KI-Element war Ende 2025 eingeführt worden, um die Nutzung von Copilot in Excel sichtbarer zu machen. Viele professionelle Nutzer beklagten jedoch, dass der Button aktive Tabellenbereiche, Formeln und Zellinhalte verdeckte.
Im Rahmen des Microsoft-365-Insider-Programms können Anwender den Button seit dem 23. Mai per Rechtsklick entweder in die klassische Menüleiste verschieben oder vollständig deaktivieren. Besonders für Unternehmen, Finanzabteilungen und Controller, die täglich mit komplexen Tabellen arbeiten, dürfte die Änderung eine wichtige Erleichterung darstellen.
Neue Copilot-Shortcuts sollen produktiver machen
Parallel führt Microsoft neue Tastenkombinationen für seinen KI-Assistenten Copilot ein. Unter Windows wird Copilot künftig mit „Alt + C“ geöffnet, auf dem Mac mit „Command + Control + I“. Damit will der Konzern den Assistenten stärker in den Arbeitsfluss integrieren.
Ziel ist eine Entwicklung hin zu sogenannten agentischen KI-Systemen. Diese sollen künftig nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben übernehmen – etwa Präsentationen erstellen, Daten analysieren oder Inhalte in mehreren Anwendungen gleichzeitig bearbeiten.
Gerade in Deutschland beobachten viele Unternehmen diese Entwicklung mit Interesse, aber auch mit Vorsicht. Themen wie Datenschutz, IT-Sicherheit und europäische Digitalsouveränität spielen bei der Einführung neuer KI-Werkzeuge eine zentrale Rolle.
KI-Abonnements wachsen langsamer als erwartet
Trotz massiver Investitionen bleibt die Akzeptanz kostenpflichtiger KI-Angebote bislang begrenzt. Laut Microsoft zahlen derzeit nur rund 3,3 Prozent der Microsoft-365-Kunden zusätzlich für das Copilot-Abonnement.
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete das Unternehmen zwar rund 20 Millionen kostenpflichtige KI-Lizenzen. Der große Durchbruch im Massenmarkt steht jedoch weiterhin aus. Viele Firmen prüfen derzeit noch, ob die versprochenen Produktivitätsgewinne die zusätzlichen Kosten tatsächlich rechtfertigen.
OpenAI, Google und Apple erhöhen den Druck
Der Wettbewerb im Bereich KI-gestützter Bürosoftware verschärft sich spürbar. OpenAI veröffentlichte am 25. Mai eine neue Version seiner Codex-Anwendung für macOS. Die Software kann mithilfe von Apples ScreenCaptureKit und Accessibility-Schnittstellen Inhalte auf dem Bildschirm analysieren und direkt mit Anwendungen interagieren.
In Demonstrationen erstellte das System eigenständig Webseiten, analysierte Programme und generierte Berichte aus Slack-, Gmail- und Unternehmensdaten. Gleichzeitig bereitet sich die Branche auf die Entwicklerkonferenz WWDC 2026 von Apple vor. Dort wird eine tiefere Integration von „Apple Intelligence“ in iOS 27 und macOS 27 erwartet.
Alternative Office-Lösungen gewinnen an Bedeutung
Während Microsoft seine KI-Strategie ausbaut, profitieren alternative Anbieter zunehmend von der Unsicherheit vieler Unternehmen. Besonders kleine und mittelständische Betriebe achten verstärkt auf Kostenkontrolle und Datenschutz.
OnlyOffice Docs 9.4 hat zuletzt die bisherige Begrenzung auf 20 Nutzer aufgehoben und positioniert sich offensiv als günstigere Alternative. Zudem arbeitet die europäische „Euro-Office“-Initiative mit Unternehmen wie IONOS, Nextcloud und Proton an einer stärker europäisch ausgerichteten Office-Plattform. Der Marktstart ist für Sommer 2026 geplant.
Microsoft erhöht Preise ab Juli 2026 deutlich
Für viele Unternehmen besonders relevant: Microsoft erhöht zum 1. Juli 2026 die Preise seiner Business-Tarife spürbar. Business Basic wird um 16 Prozent teurer, Business Standard steigt um 12 Prozent.
Zusätzlich führt Microsoft mit „Microsoft 365 E7“ ein neues Premium-Paket für besonders hohe Sicherheits- und KI-Anforderungen ein. Der Preis liegt bei rund 92 Euro pro Nutzer und Monat. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten dürfte dies für viele Firmen zu einer Neubewertung ihrer Softwarekosten führen.
Ausblick: Mehr KI – aber zu welchem Preis?
Die Entwicklung zeigt, wie stark sich Bürosoftware derzeit verändert. KI-Systeme sollen künftig eigenständig komplexe Aufgaben übernehmen und Arbeitsprozesse automatisieren. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge, dass Bedienbarkeit, Transparenz und Kosten aus dem Gleichgewicht geraten könnten.
Die Rücknahme des umstrittenen Copilot-Buttons in Excel gilt vielen Beobachtern als Zeichen dafür, dass selbst Technologiekonzerne wie Microsoft ihre KI-Strategien stärker an den Bedürfnissen professioneller Nutzer ausrichten müssen. Ob Unternehmen die steigenden Preise akzeptieren oder verstärkt auf europäische Alternativen setzen, dürfte sich im weiteren Verlauf des Jahres 2026 entscheiden.

Hermann Hesse schreibt für die Neue Schweizer Zeitung über Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und Lifestyle. Er legt Wert auf klare Berichterstattung, aktuelle Themen und relevante Geschichten, die Leserinnen und Leser zuverlässig und verständlich informieren.
