Günther Jauch wird 70: Zwischen Fernsehkarriere und Weinbau an der Saar
Moderator bleibt auch mit 70 Jahren aktiv
Günther Jauch zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Fernsehens. Mit Formaten wie „Wer wird Millionär?“ hat er Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern begleitet. Am 13. Juli feiert der Moderator seinen 70. Geburtstag. An einen Rückzug aus dem Berufsleben denkt er jedoch nicht. Stattdessen verbindet er weiterhin seine Arbeit vor der Kamera mit seinem Engagement als Eigentümer des traditionsreichen Weinguts von Othegraven in Kanzem an der Saar.
Wie Jauch bereits 2025 auf seinem Weingut gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte, sehe er derzeit keinen Anlass, etwas Grundlegendes an seinem Leben zu verändern. Seine Tätigkeit als Fernsehmoderator und Weingutsbesitzer bereite ihm nach wie vor große Freude. Lediglich sein schütter gewordenes Haar sei ein Zeichen des Älterwerdens, scherzte er.
Ruhestand ist für Jauch keine Option
Arbeit als Teil eines erfüllten Lebens
Während viele Menschen den 70. Geburtstag zum Anlass nehmen, beruflich kürzerzutreten, kann sich Jauch ein Leben ohne Aufgaben kaum vorstellen. Die Vorstellung eines dauerhaften Ruhestands entspreche nicht seinem Verständnis eines erfüllten Lebens.
Nach eigenen Angaben ist er weiterhin stark in seine Arbeit bei RTL eingebunden. Der Arbeitsumfang nehme derzeit sogar eher zu als ab. Für den Moderator steht fest: Aktiv zu bleiben gehört für ihn zum Lebenskonzept.
Engagement auf dem Weingut von Othegraven
Regelmäßige Arbeit in Kanzem
Neben seiner Fernsehkarriere widmet sich Jauch intensiv dem Weingut von Othegraven. Gemeinsam mit seiner Frau Thea verbringt er durchschnittlich etwa eine Woche pro Monat in Kanzem. Dort übernimmt er verschiedene Aufgaben, von organisatorischen Tätigkeiten im Büro bis hin zur Betreuung von Gästen und Kunden.
Auch die Pflege der Anlage gehört zu seinem Alltag. So kümmert er sich unter anderem um die Parkanlagen, spricht mit den Mitarbeitenden in den Weinbergen und unterstützt bei Veranstaltungen auf dem Gut.
Trockenheit als Herausforderung für den Weinbau
Wie viele Winzer in Deutschland beschäftigt auch Jauch die zunehmende Trockenheit. Nach seinen Angaben fiel bereits im Frühjahr zu wenig Niederschlag. Während ältere Rebstöcke dank ihrer tiefen Wurzeln besser mit trockenen Bedingungen zurechtkommen, leiden jüngere Pflanzen deutlich stärker unter Wassermangel.
Eine künstliche Bewässerung der Weinberge sei auf dem Gut nicht möglich. Die Auswirkungen klimatischer Veränderungen stellen daher auch an der Saar eine wachsende Herausforderung für den Weinbau dar.
Familiengeschichte und Ausbau des Weinguts
Jauch übernahm das traditionsreiche Riesling-Weingut im Juli 2010. Hintergrund war die drohende Veräußerung des Betriebs außerhalb der Familie nach mehr als zwei Jahrhunderten Familiengeschichte. Seine Großmutter Elsa von Othegraven war die Schwester des früheren Gutsleiters Maximilian von Othegraven.
Seit der Übernahme wurde der Betrieb erweitert. Die Rebfläche wuchs von ursprünglich zehn auf heute 15 Hektar. Gleichzeitig investierte Jauch in die Modernisierung der Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.
„Eine völlig neue Welt“
Weinbau als Lernprozess
Trotz seiner langjährigen Erfahrung betrachtet sich Jauch nicht als klassischen Winzer. Nach eigener Einschätzung sei er eher ein „Winzer-Azubi“, der auch nach vielen Jahren noch dazulerne. Fachliche Entscheidungen überlasse er bewusst den Experten des Betriebs, insbesondere dem Kellermeister und den Mitarbeitenden in den Weinbergen.
Gemeinsam mit seiner Frau sehe er sich vor allem als Repräsentant des Weinguts. Der Kontakt zu Kunden, Partnern und Gästen spiele dabei eine wichtige Rolle.
Solidarität in der Weinregion Saar
Besonders schätzt Jauch die Gemeinschaft innerhalb der Weinbranche an der Saar. Im Vergleich zur Fernsehwelt erlebe er die Zusammenarbeit dort als direkter, bodenständiger und oft auch humorvoller.
Hervor hebt er zudem den starken Zusammenhalt unter den Winzerinnen und Winzern der Region. Wenn Betriebe vor Herausforderungen stünden, unterstütze man sich gegenseitig. Diese Solidarität sei eine der Erfahrungen, die ihn besonders beeindruckt hätten.
Hochwasser und Frost prägten das Jahr 2024
Für das Weingut stellte das Jahr 2024 eine außergewöhnlich schwierige Phase dar. Das Saar-Hochwasser zu Pfingsten überschwemmte große Teile des Anwesens und verursachte erhebliche Schäden an Gebäuden und Außenanlagen.
Zusätzlich vernichtete ein Frostereignis rund 70 Prozent der Ernte. Die Kombination aus Hochwasser und Ernteausfällen machte das Jahr nach Angaben Jauchs zum bislang schwierigsten seit seiner Übernahme des Betriebs.
Internationale Anerkennung für das Weingut
Trotz der Herausforderungen blickt Jauch auch auf zahlreiche Erfolge zurück. Besonders stolz ist er darauf, dass das Weingut national und international an Bedeutung gewonnen hat. Ein sichtbares Zeichen dafür sind die Auszeichnungen als „Winzer des Jahres“ in den Jahren 2023 und 2025.
Darüber hinaus wurden umfangreiche Modernisierungen umgesetzt. Neue technische Anlagen, eine moderne Flaschenhalle und umgestaltete Wohnbereiche für Saisonarbeitskräfte gehören zu den wichtigsten Investitionen. Auch der historische Park des Anwesens steht heute Besucherinnen und Besuchern offen.
Ein Geburtstag ohne Abschiedsgedanken
Zum 70. Geburtstag präsentiert sich Günther Jauch weiterhin als vielseitiger Unternehmer und Medienprofi. Zwischen Fernsehstudio und Weinberg hat er sich ein zweites berufliches Standbein aufgebaut, das ihn ebenso erfüllt wie seine Arbeit vor der Kamera. Von Ruhestand kann deshalb keine Rede sein – vielmehr setzt Jauch auch im siebten Lebensjahrzehnt auf Aktivität, Engagement und neue Herausforderungen.

Hermann Hesse schreibt für die Neue Schweizer Zeitung über Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und Lifestyle. Er legt Wert auf klare Berichterstattung, aktuelle Themen und relevante Geschichten, die Leserinnen und Leser zuverlässig und verständlich informieren.
