Laura Dahlmeier: Warnungen vor dem Aufstieg zum Laila Peak konnten Expedition nicht stoppen
Bereits Tage vor dem tödlichen Unglück am pakistanischen Laila Peak hatten erfahrene Alpinisten auf die schwierigen Bedingungen im Gebirge hingewiesen. Dennoch entschied sich die ehemalige deutsche Biathletin und Bergsportlerin Laura Dahlmeier gemeinsam mit ihrer Seilpartnerin Marina Krauss für den Aufstieg. Neue Aussagen von Augenzeugen und Rettungskräften zeichnen nun ein detaillierteres Bild der Ereignisse.
Augenzeugin berichtet von extremen Bedingungen im Basislager
Die spanische Alpinistin María Martín traf Laura Dahlmeier und Marina Krauss wenige Tage vor deren Aufbruch im Basislager. Nach ihren Schilderungen herrschten bereits zu diesem Zeitpunkt außergewöhnlich gefährliche Verhältnisse.
Über mehrere Tage habe es ununterbrochen geregnet. Gleichzeitig seien immer wieder Lawinen, Steinschläge und Eisabbrüche in den umliegenden Hängen abgegangen. Martín erklärte, sie habe den beiden Bergsteigerinnen sogar Fotos besonders kritischer Passagen gezeigt, um die Gefahr zu verdeutlichen.
Deutliche Warnung vor dem Aufstieg
Nach ihren Angaben machte sie unmissverständlich klar, wie riskant die Situation sei. Mit den Worten „Viel zu gefährlich, unmöglich“ habe sie versucht, von der geplanten Tour abzuraten.
Trotz dieser Warnung hielten Dahlmeier und Krauss an ihrem Vorhaben fest. Martín zufolge ereigneten sich die größten Lawinen allerdings erst, nachdem die beiden das Basislager bereits verlassen hatten.
Steinschlag beendet den Abstieg am Laila Peak
Laura Dahlmeier und Marina Krauss starteten ihren Aufstieg auf den 6.096 Meter hohen Laila Peak, einen technisch anspruchsvollen Berg im Karakorum-Gebirge Pakistans. Wegen eines Wetterumschwungs entschieden sich die beiden erfahrenen Alpinistinnen jedoch, die Tour abzubrechen.
Beim Abstieg kam es schließlich zu dem folgenschweren Unglück. In einer Höhe von rund 5.700 Metern wurde Laura Dahlmeier von herabfallenden Steinen getroffen.
Unter den extremen Bedingungen konnte Marina Krauss ihre Seilpartnerin nicht erreichen. Schließlich setzte sie einen Notruf ab. Nach bisherigen Erkenntnissen dürfte Dahlmeier unmittelbar infolge des Steinschlags ums Leben gekommen sein.
Rettungsteam schildert Fund aus dem Hubschrauber
Auch der US-amerikanische Bergführer Alan Rousseau, der an der Rettungsmission beteiligt war, berichtet in einer Dokumentation über die dramatischen Ereignisse.
Bergung wegen anhaltender Gefahr ausgeschlossen
Rousseau schildert, dass das Rettungsteam zunächst lediglich das Zelt aus dem Hubschrauber erkennen konnte. Kurz darauf entdeckten die Einsatzkräfte Laura Dahlmeiers leblosen Körper, der noch im Seil hing.
Der Bereich um die Unglücksstelle sei von Felsen, Schlamm und Geröll dunkel verfärbt gewesen. Mehrere mögliche Bergungsszenarien seien geprüft worden. Aufgrund der weiterhin akuten Steinschlaggefahr entschied sich das Team jedoch gegen einen Einsatz.
„Wer da reingeht, setzt sein eigenes Leben aufs Spiel“, erklärt Rousseau in der Dokumentation und verweist auf das hohe Risiko für alle Beteiligten.
Dahlmeiers letzter Wunsch wurde respektiert
Die Entscheidung, keine Bergung unter lebensgefährlichen Bedingungen vorzunehmen, entsprach Laura Dahlmeiers ausdrücklich formuliertem Willen. Die erfahrene Berg- und Skiführerin hatte bereits im Vorfeld festgelegt, dass im Falle eines tödlichen Unglücks niemand sein Leben riskieren solle, um ihren Körper zu bergen.
Am 30. Juli 2025 bestätigte ihr Management den Tod der zweimaligen Olympiasiegerin und siebenfachen Biathlon-Weltmeisterin.
Damit bleibt ihre letzte Ruhestätte in den Bergen – jenem Ort, der für Laura Dahlmeier zeitlebens Freiheit, Stärke und tiefe Verbundenheit mit der Natur symbolisierte.

Hermann Hesse schreibt für die Neue Schweizer Zeitung über Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und Lifestyle. Er legt Wert auf klare Berichterstattung, aktuelle Themen und relevante Geschichten, die Leserinnen und Leser zuverlässig und verständlich informieren.
