Trockenbau: Schweizer Startup erfindet die Gips-Trennwand neu

Von NSZ Redaktion


Samstag, 06. Juni 2020 16:42

Das GIPSAir-System kann ohne grossen Aufwand nach einer kurzen Videoerklärung selbst von einem Nicht-Fachmann allein verarbeitet werden. Bild: GIPSAir GmbH


Eine vorgefertigte doppelschalige Gipsplatte soll den Profis und Heimwerkern in Zukunft den Trennwandaufbau massiv erleichtern.

Das Luzerner Unternehmen will mit einer ultraleichten Gipsplatte, die viel Platz für Installationen bietet und ergonomischer und ökologischer als andere Systeme sein soll, den internationalen Trockenbau-Markt aufmischen. Die neue Platte mit Gips-Verbindungs-Rohren eignet sich zum Herstellen von nichttragenden inneren Trennwänden.

Die Urbanisierung führt zu einer dichten Bebauung
Die Baubranche ist im Wandel, denn die Gesellschaft verlangt nachnachhaltige, soziale, wirtschaftliche und ökologische Lösungen. Bauherren setzen auf eine Verdichtung und Aufstockung der Gebäude, nicht nur freiwillig, denn auch Gesetzgebungen werden dazu angepasst, Stichwort «verdichtetes Bauen».

Anforderungen für mehr Haustechnik werden immer grösser
Dem Um- und Ausbau kommt somit immer grössere Bedeutung zu, denn er hilft, Baulandressourcen zu sparen. Zudem ist die Anforderung für mehr Haustechnik immer grösser. Damit ist auch der Platz für Installationen innerhalb von Trennwandelementen gemeint. Und gerade hier will die GIPSAir GmbH gemäss ihrer Firmenbroschüre enorme Vorteile gegenüber herkömmlichen Systemen bieten: «Das System ist einfach zu verarbeiten und bietet innerhalb der Gipswandelemente viel Raum für Installationen wie zum Beispiel für Elektro- oder Sanitärrohre. Oder für ein Soundsystem. Zudem kann die GIPSAir-Platte auch bauphysikalisch Einiges bieten, zum Beispiel beim Schallschutz», heisst es weiter.

Die neue leichte Gips-Platte mit Gips-Verbindungs-Rohren eignet sich zum Herstellen von nichttragenden inneren Trennwänden. Bild: GIPSAir GmbH

Fachkräftemangel als Chance
«Auch der Fachkräftemangel ist zunehmend ein Thema und die gängigen Systeme sind ohne solide Ausbildung kaum zu verarbeiten – oder aber gemäss Hersteller immer öfter mit nachträglichen Bauschäden verbunden. Das GIPSAir-System kann ohne grossen Aufwand nach einer kurzen Videoerklärung selbst von einem Nicht-Fachmann allein verarbeitet werden, was auf ein grosses Potential im Hobbybereich schliessen lässt.» Das System sorge für eine Bauzeitverkürzung beim nicht-tragenden Trennwandbau von bis zu 40%.

GIPSAir im Vergleich mit der Vollgipsplatte
Gips-Wandbauplatten (früher auch Gips-Dielen genannt) sind Bauelemente aus massivem Stuckgips zum Herstellen von nichttragenden inneren Trennwänden, Schachtwänden, Vorsatzschalen oder Stützenummantelungen im Innenbereich. In der Schweiz auch bekannt als Alba-Platten. Die Wände werden, wie das GIPSAir-System auch, ohne Unterkonstruktion allein mit Gipskleber errichtet.

Grosser Nachteil der Vollgipsplatte: Sie wiegt pro Quadratmeter rund 3 Mal so viel und ist somit kaum von einem Handwerker alleine zu verarbeiten. Zudem spielt Gewicht auch oft bei der Planung, zum Beispiel bei einer Hausaufstockung, eine grosse Rolle.

Die USA sind das Mutterland des modernen Trockenbaus
Dort hatte der Erfinder und Unternehmer Augustine Sackett im Jahr 1894 das Patent für einen neuartigen Plattenwerkstoff angemeldet. In Europa hat die Gipskartonplatte erst nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich grössere Verbreitung gefunden. Mittlerweile ist sie weltweit der am häufigsten verwendete Plattenwerkstoff für raumbegrenzende, nicht tragende Wand- und Deckenbauteile.

Das Material hat andere Beplankungswerkstoffe – insbesondere die auf Holzbasis – weitgehend verdrängt. Gipskartonplatten bestehen aus Stuckgips, der beim Brennen von kristallwasserhaltigem Gipsstein (Calciumsulfat-Dihydrat) entsteht, und aus mehreren Papierlagen, die ohne Klebstoff zu Karton verpresst werden. Neben Naturgipsstein kommt als Rohstoff schon seit längerem auch so genannter REA-Gips zum Einsatz.

Mehr Infos zum Baustoff Gips gibt es hier.


Recyclingfähigkeit
Eine besondere Eigenschaft von Bauprodukten auf Gipsbasis ist ihre Recyclingfähigkeit. Aus einem Gipsprodukt kann nach erfolgtem Rückbau und Recycling grundsätzlich wieder neuer Rohgips gewonnen werden. Diese Eigenschaft ist unter den mineralischen Baustoffen einzigartig. Ausgangspunkt für die ökologische Dimension von Gipsprodukten ist der Rohstoff Calciumsulfat-Dihydrat (CaSO4 2H2O, Gipsstein), der als Mineral im Tagebau und als industrielles Nebenprodukt bei der Energiegewinnung zur Verfügung steht.

Der Rohstoff gibt in einem vergleichsweise energieschonenden und emissionsarmen Brennprozess einen Teil seines kristallin gebundenen Wassers ab, wodurch das Halbhydrat CaSO4 ½H2O entsteht. Bei der Herstellung von Gipsprodukten wirkt dieses Halbhydrat als Bindemittel, welches nach Wasserzugabe wiederum vollständig als Gips vorliegt (CaSO4 2H2O) und so den Stoffkreislauf ohne eine chemische Veränderung des ursprünglichen Rohstoffs in der Nutzungsphase fortführt. Mit anderen Worten: Ist Gips, bleibt Gips.