Warum Schwangere auf Akupunktur setzen

Von fragdenapfel.com


Montag, 11. Dezember 2017 09:25

Richtig angewendet, ist die Ohr-Akupunktur während der Schwangerschaft ungefährlich. Foto: pixabay


Akupunktur zur Geburtsvorbereitung und gar zur Geburtserleichterung wird immer beliebter. Laut Hebammen und Gynäkologen ist die Wirkung der kleinen Nadeln gross.

Gynäkologen und Hebammen mit einer Zusatzausbildung dürfen eine Akupunkturbehandlung durchführen. Immer wieder liest man, dass es während der Schwangerschaft sogenannte «verbotene Punkte» gibt, welche beim Stechen gar zu einer Frühgeburt führen könnten.

Die Angst ist jedoch unbegründet: «Nein, die gibt es nicht und das wurde in einer Studie mit 5 000 Patientinnen in der Universitätsklinik Mannheim nachgewiesen», sagt Dr. med. Ansgar Römer im Interview mit Comparis. Seit 1985 beschäftig er sich intensiv mit der Akupunktur und Chinesischen Medizin. Er ist Facharzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Römer gehört in Europa zu den angesehensten Spezialisten auf diesem Gebiet. «Frauen hat man in allen Phasen der Schwangerschaft alle Punkte gestochen und es hat sich nie eine Gefährdung für Mutter oder das ungeborene Kind ergeben. Nie hat sich der Allgemeinzustand einer Schwangeren verschlechtert – egal welche Punkte man stach.»

Zu beachten gelte jedoch, dass bei einer Schwangerschaft, die bereits gefährdet ist, Akupunktur zur Verstärkung der Beschwerden führen kann. Daher sollte bei solchen Risikoschwangerschaften diese Therapieform durch erfahrene SpezialistenInnen zum Einsatz kommen. Ansgar Römer: «Bei normalen Schwangerschaften ist Akupunktur hilfreich und nebenwirkungsfrei.» Die Behandlung habe keinen Einfluss auf den Geburtstermin und führe auch nicht zu vorzeitigen Wehen.

Geburtsdauer kann verkürzt werden

Eine positive Wirkung der Akupunktur zur allgemeinen Geburtsvorbereitung, aber auch bei Beschwerden in der Schwangerschaft und während der Geburt ist durch verschiedene Studien belegt. Die von Ansgar Römer erwähnte Studie der Universitäts-Frauenklinik in Mannheim hat zudem gezeigt, dass Akupunktur bei Erstgebärenden die Geburtsdauer im Schnitt von zehn auf acht Stunden verkürzt.

Dieser positive Effekt beruht auf einer besseren Reifung des Gebärmutterhalses (Cervix) und einer gezielteren Wehentätigkeit in der Eröffnungsphase – also in der Zeit bis zur vollständigen Öffnung des Muttermundes. Die Akupunktur kann ausschliesslich diese Phase verkürzen, auf die Austreibungsphase hat sie dagegen keinen Einfluss.

Fakt ist aber, unter der Geburt kann die Akupunkturwirkung nicht mit schmerzhemmenden Mitteln wie der PDA (Periduralanästhesie) verglichen werden. Sie kann die Schmerzen bei der Entbindung nicht vollkommen verschwinden lassen. Die Akupunktur hat eine entspannende Wirkung, lockert Verkrampfungen und verringert hierdurch die Schmerzen.

Die Kosten für die Therapien mit Akupunktur und Chinesischer Medizin werden zum Teil von der Grundversicherung und zum Teil von der Zusatzversicherung übernommen. Vor einer Therapie ist es jedoch sinnvoll abzuklären, ob eine Zusatzversicherung vorhanden ist und welche Leistungen darin eingeschlossen sind.

Dr. med. Ansgar Römer (1961) aus Westfalen beschäftigt sich seit 1985 intensiv mit der Akupunktur und Chinesischer Medizin.