Neuer Zwergplanet hinter Pluto entdeckt: Algorithmus spürt Himmelskörper im äußeren Sonnensystem auf
Astronomen haben weit jenseits der Neptunbahn einen bislang unbekannten Himmelskörper entdeckt, der sich als neuer Zwergplanet erweisen könnte. Der unter der Bezeichnung 2026 ED138 geführte Kandidat wurde mithilfe eines speziell entwickelten Algorithmus in Beobachtungsdaten des Vera-C.-Rubin-Observatoriums identifiziert. Besonders bemerkenswert: Auf älteren Teleskopaufnahmen aus dem Jahr 2016 war das Objekt bereits zu erkennen.
Vera-C.-Rubin-Observatorium ermöglicht neue Entdeckungen im Sonnensystem
Das Vera-C.-Rubin-Observatorium in Chile zählt zu den bedeutendsten astronomischen Forschungsprojekten der kommenden Jahre. Im Juni 2025 veröffentlichte die Einrichtung ihre ersten Aufnahmen des Weltalls.
Das leistungsstarke Spiegelteleskop soll während einer zehnjährigen Beobachtungskampagne den südlichen Sternenhimmel systematisch erfassen. Ziel ist es, Millionen astronomischer Veränderungen zu dokumentieren und bislang unbekannte Himmelskörper aufzuspüren.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem erdnahe Asteroiden, transneptunische Objekte, Zwergplaneten und kosmische Ereignisse wie Supernovae. Darüber hinaus sollen die Beobachtungen neue Erkenntnisse über Dunkle Materie und Dunkle Energie liefern.
Bereits jetzt zeigt sich, welches wissenschaftliche Potenzial die Kombination aus hochauflösenden Teleskopaufnahmen und automatisierter Datenanalyse bietet.
2026 ED138: Möglicher Zwergplanet jenseits von Pluto entdeckt
Der Astrophysiker Matthew Holman vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics und der Astronom Mario Jurić von der University of Washington haben einen besonders vielversprechenden Kandidaten für einen neuen Zwergplaneten identifiziert.
Der eisige Himmelskörper trägt die vorläufige Bezeichnung 2026 ED138 und bewegt sich in einer Region des Sonnensystems außerhalb der Neptunbahn.
Nach Angaben der University of Washington gehört das Objekt zu den größten bislang bekannten Zwergplaneten-Kandidaten in diesem Bereich.
Durchmesser könnte bis zu 1.500 Kilometer betragen
Ersten Schätzungen zufolge besitzt 2026 ED138 einen Durchmesser zwischen 600 und 1.500 Kilometern. Damit wäre der Himmelskörper zwar kleiner als Pluto, aber dennoch ein außergewöhnlich großes Objekt im äußeren Sonnensystem.
Zum Vergleich: Pluto hat einen Durchmesser von rund 2.377 Kilometern.
Sollte sich bestätigen, dass 2026 ED138 die wissenschaftlichen Kriterien eines Zwergplaneten erfüllt, könnte er in die Gruppe der offiziell anerkannten Zwergplaneten aufgenommen werden.
Bislang erkennt die Internationale Astronomische Union fünf Zwergplaneten offiziell an: Pluto, Ceres, Eris, Haumea und Makemake. 2026 ED138 könnte damit zum sechsten offiziell anerkannten Vertreter dieser Kategorie werden.
Eine endgültige Einstufung steht allerdings noch aus.
Spezieller Algorithmus identifiziert ungewöhnlichen Himmelskörper
Die Entdeckung gelang nicht allein durch die direkte Auswertung einzelner Teleskopbilder. Entscheidend war vielmehr ein von Matthew Holman entwickelter Algorithmus, der große Mengen astronomischer Beobachtungsdaten automatisch untersucht.
Die Software vergleicht Aufnahmen aus unterschiedlichen Beobachtungszeitpunkten und analysiert die Positionen zahlreicher Lichtquellen.
Bewegungen zwischen Milliarden von Objekten erkennen
Während weit entfernte Sterne auf den Aufnahmen nahezu unverändert erscheinen, verändern Objekte innerhalb unseres Sonnensystems im Laufe der Zeit ihre Position.
Der Algorithmus sucht gezielt nach solchen Bewegungsmustern und kann dadurch mögliche Asteroiden, Kometen und andere Himmelskörper identifizieren.
Auf diese Weise fiel 2026 ED138 auf. Trotz seiner erheblichen Entfernung zur Sonne erschien das Objekt vergleichsweise hell.
Diese ungewöhnliche Helligkeit deutete darauf hin, dass es sich um einen größeren Himmelskörper handeln könnte.
Die automatisierte Analyse ermöglicht es Forschern, auch solche Objekte zu entdecken, die bei einer manuellen Durchsicht der enormen Datenmengen möglicherweise übersehen würden.
Archivaufnahmen bestätigen Sichtbarkeit bereits im Jahr 2016
Nach der ersten Identifizierung untersuchte Mario Jurić weitere astronomische Beobachtungsdaten, um die Entdeckung zu überprüfen.
Dabei fand er zusätzliche Aufnahmen des Himmelskörpers, darunter Bilder aus dem Jahr 2016.
Der mögliche Zwergplanet war somit bereits rund zehn Jahre vor seiner aktuellen Identifizierung von Teleskopen erfasst worden, ohne damals als eigenständiges Objekt erkannt zu werden.
Die älteren Beobachtungen sind für die astronomische Forschung besonders wertvoll. Sie ermöglichen es, die Bewegung des Himmelskörpers über einen längeren Zeitraum nachzuvollziehen und seine Umlaufbahn genauer zu bestimmen.
2026 ED138 befindet sich rund 6,9 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt
Derzeit beträgt die Entfernung zwischen 2026 ED138 und der Sonne etwa 46 astronomische Einheiten.
Eine astronomische Einheit entspricht der mittleren Entfernung zwischen Erde und Sonne, also rund 150 Millionen Kilometern.
Damit befindet sich der neu entdeckte Himmelskörper ungefähr 6,9 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.
Pluto bewegt sich zum Vergleich in einer durchschnittlichen Entfernung von rund 40 astronomischen Einheiten um die Sonne.
Die enorme Distanz macht deutlich, wie schwierig die Beobachtung kleiner und lichtschwacher Objekte in den äußeren Regionen unseres Sonnensystems ist.
Astronomen sprechen von außergewöhnlicher Entdeckung
Mario Jurić betonte die Seltenheit eines solchen Fundes. Die Entdeckung eines Objekts dieser Größenordnung sei etwas, das „wahrscheinlich nur einmal in einer Generation“ vorkomme.
Mit dem Vera-C.-Rubin-Observatorium stehen der astronomischen Forschung künftig deutlich umfangreichere Beobachtungsdaten zur Verfügung. Dadurch könnten weitere bislang unbekannte Himmelskörper entdeckt werden.
Entdeckung könnte neue Erkenntnisse über das äußere Sonnensystem liefern
Der Fund von 2026 ED138 verdeutlicht, welche Möglichkeiten moderne Teleskoptechnik und leistungsfähige Algorithmen für die Erforschung des Sonnensystems eröffnen.
Ob der eisige Himmelskörper tatsächlich als sechster Zwergplanet offiziell anerkannt wird, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Schon jetzt liefert seine Entdeckung jedoch wichtige Anhaltspunkte für die Erforschung der bislang nur teilweise bekannten Regionen jenseits von Neptun und Pluto.

Hermann Hesse schreibt für die Neue Schweizer Zeitung über Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und Lifestyle. Er legt Wert auf klare Berichterstattung, aktuelle Themen und relevante Geschichten, die Leserinnen und Leser zuverlässig und verständlich informieren.
